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Sonntag, 2. Dezember 2012

Wicked Pike - Fliegenfischen auf Hecht in Holland




Nach langer Zeit melden wir uns mit neuen Beiträgen zurück!
In diesem Zuge möchte ich mich für die lange Abstinenz entschuldigen. In den letzten Monaten ist viel passiert, ein temporärer Umzug, Alex ausstieg bei TS und ein zeitlich begrenzter Ausflug in die Arbeitswelt haben die Zeit zum bloggen, wie Eis schmelzen lassen. Da bekanntlicherweise jetzt der Winter kommt und die Kälte die Gewässer frieren lässt, wird wieder mehr Zeit vorhanden sein, um euch von unseren Trips zu berichten. Let's start!

Ich hatte meine Ruten für die Winterzeit schon verpackt und die Fly Fishing Season 2012 innerlich für mich abgeschlossen, als mir Nino von einer Einladung von Flybei-Alex zum Hechtfischen nach Holland berichtete. Ich spitzte die Ohren und witterte die Chance mich nochmal so richtig ausfischen zu können und die letzten stressigen Monate zu vergessen. Ende November ging es dann los. Alex hatte im Vorfeld eine perfekte Organisation hingelegt und uns ein Haus mit Boot direkt am Wasser gemietet.
Am Donnerstag Abend fuhr ich in Richtung Holland, um dann gemeinsam mit Nino und Alex in unser Zielgebiet aufzubrechen. Vor Ort trafen wir uns mit Daniel, dem vierten Mann in unserer Gruppe. Unsere gemeinsame Vision: In vier Tagen, von zwei Booten aus, die Novemberhechte mit dem Streamer zu überlisten! 




 Das Wetter war rau, windig und sah nach Regen
aus. In viele Schichten aus Fleece, Wolle und anderen wärmenden Materialien eingepackt, fühlte ich mich wie ein Astronaut der einen unbekannten Planeten zu betreten vor hat. Verstärkt durch die Müdigkeit meines geistigen Zustandes bestieg ich mit Nino unser Boot, um die unbekannte Grachtenwelt zu erforschen und die Monsterhechte zu finden.



Alex, der das Gebiet schon seit mehreren Jahren kennt, gab die Richtung vor, kaum einen Meter gefahren hatte er auch schon einen ersten Biss. Perfekt dachte ich mir und träumte schon von Hechtmäulern, die nach meinem Streamer schnappten, doch es passierte erst mal lange Zeit nichts.
Im Gegensatz zu uns drillten Alex und Daniel schnell die ersten Hechte der Tour.
Los..., motivierte ich mich und kämpfte gegen die Müdigkeit an. Ein Streamer der nicht im Wasser ist fängt keinen Fisch!

Ganz nach dem Motto wurden die #8er Ruten geschwungen und die Schnüre durch die Schlangenringe geschossen. Die großen Fliegen wurden direkt am Schilf angeboten und dann langsam zum Boot zurück gestippt. Dann ruckte es auch bei mir in der Schnur - ein Biss! Ich setzte den Anschlag und drillte meinen ersten holländischen Hecht. Jetzt hatte es auch endlich bei uns im Boot geklappt und ein schöner Mitsiebziger wurde wieder in sein Element entlassen. Ein erster Beweis, wenn auch kein Monster, ihrer Existenz wurde geführt!

Den fast chronisch gewordenen Schlafmangel konnten wir auch in den nächsten Tagen nicht ausgleichen, zwar wurde es früh dunkel, doch stand dann meist die Besprechung des nächsten Tages, kochen und essen auf dem Programm. Im Anschluss daran wurden bis spät in die Nacht Streamer für den darauf folgenden Tag gebunden, getrunken, entspannt und Erlebnisse aus der Welt des Fliegenfischens berichtet. 




Mit besonderer Freude durfte ich in den folgenden Tagen ein paar große Barsche im Boot begrüßen, die als Beifang den Hechtstreamer nicht verschmähten. Als besonders fängig stellten sich Streamer im Barschdekor heraus, die an markanten Strukturen präsentiert wurden. Die Bisse kamen meist, nach wenigen Zupfern, knall hart. Neben dem Hecht ist der Barsch ein faszinierender Räuber.



Die Fischerei wurde nicht einfacher und wir mussten uns jeden Fisch hart erarbeiten. Zwar konnten wir Hechte beobachten,  die direkt am Boot nach Kleinfischen jagten. Doch sollte es ein Trugschluss sein, wenn man glaubte diese dann leicht fangen zu können.
Nino schaffte es dann doch, im letzten Abendlicht, des dritten Tages einen dieser wildraubenden Hechte zu überlisten. Die Freude war groß!




Ich kannte die Hechtfischerei mit der Fliege bisher nur von meinen Touren nach Schweden und den heimischen Seen, so war es für mich eine spannend und neue Erfahrung die Fischerei in den urbanen Strukturen zu entdecken. Eine besondere Herausforderung bestand darin, sich möglichst geräuschlos mit dem Boot in den engen Kanälen zu bewegen und auf engstem Raum zielgenau die großen Fliegen zu präsentieren.
Nicht selten kam es dabei vor, dass man zum Hänger lösen in holländischen Vorgärten herum turnen musste, oder einmal quer durch's holländische Wohnzimmern fischte. Eine ganz besondere und andere Art der Fischerei, die meinen Erfahrungen und Vorstellungen vom Urban Fly Fisching eine ganz neue Perspektive gibt.
Zum Schluss habe ich euch unsere erfolgreichsten Streamer dieser Tour zusammengestellt.

Tight Lines!





Donnerstag, 24. Mai 2012

Fliegenfischen auf Hecht in Oberbayern Part II


Der zweite Tag unserer Trout Stalking Tour begann nicht minder spät und so waren wir erneut vor den ersten Sonnenstrahlen am Wasser angekommen. Nicht gerade die entspannteste Form von Kurzurlaub, die wir uns dort vorgenommen hatten. Doch "Trout-" oder besser gesagt "Pike Stalking" ist eben Leidenschaft, die nicht immer nur Entspannung bedeutet, sonder auch fordert.


 

Vom Ufer aus, mit Polbrille und zwei Ruten gewappnet suchten wir nach Hechten und Döbeln. Leider bot sich uns das selbe Bild und es ließ sich, wie auch schon am Vortag, kein Vertreter der Arten blicken. Mit steigenden Temperaturen und der neuen Sinkschnur befischte Alex die tiefen Bereiche des Sees, in der Hoffnung an einen der vielen Hechte zu geraten.


In der Mittagspause stand unsere obligatorische Nudelmahlzeit auf dem Programm und kurzerhand wurden die "Fetten Katzen" in gemütliche Sessel umgewandelt. Die hervorragenden Sitzeigenschaften nutzte ich sogar für einen Mittagsschlaf, um Energie für den Nachmittag und Abend zu sammeln.
 

Während der Mittagspause suchte sich eine der zahlreichen Libellen Alex Wathose zum rasten aus und gab uns die Möglichkeit sie zu fotografieren.


Mit frischer Kraft machten wir uns auf den See zu umrunden. Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, beschloss ich meine #4er und meine #8er Rute mitzunehmen. Durch die Beißflaute der Hechte wollte ich es gezielt auf die gigantischen Döbel probieren. Natürlich war ich mir bewusst, dass dieses Vorhaben nicht minder schwierig ist.



Nachdem wir zwei Steinfelder am nordwestlich exponiertem Hang durchquert und dabei mehrere Ringelnattern aus ihrem Sonnenbad geschreckt hatten, suchten wir die steinerne Kante nach Hechten ab. Ein größeres Exemplar stand träge im seichten Wasser und ließ sich von der Sonne wärmen. Irgendwie erinnerte mich das Bild eher an einen Karpfen als an einen Hecht. Selbst die Brutfische zogen direkt und ohne Furcht an seinem Maul vorbei.

Alex stieg vorsichtig den Hang hinab und beförderte seinen Streamer mit einem sauberen Wurf direkt vor das Maul des Hechtes. Nach einem Strip an der Fliegenschnur und einem Zucken des Streamers setzte sich der Hecht in Bewegung. Der eben noch träge Hecht folgte im glasklaren Wasser dem Streamer. Er stand mit seinem Maul nur wenige Millimeter hinter den letzten Fasern der Baitfish Immitation und drehte ab! Wenige Würfe später verschwand der Bursche im endlos scheinenden Blau des Sees. Was für eine Enttäuschung!

Ich hatte derweil einen der fetten Aitel gespottet und mich herangepirscht. An der Kante zogen drei dicke Dickköpfe ihre Bahnen. Ich versuchte es zuerst mit diversen kleinen Nymphen, die mit der  bekannten Ignoranz nicht eines Blickes gewürdigt wurden.
Nach einigen Überlegungen knüpfte ich meine Geheimwaffe ans 12er Fluocarbon-Vorfach und machte mir den Futterneid der Döbel zum Vorteil.
Ich passte den Moment ab, in dem zwei der Döbel aufeinander zuschwommen und platzierte die Fliege genau zwischen den beiden Fischen. Wie erwartet schossen die beiden auf den Glowbug zu und ehe ich mich versah verschwand der Bug in einem dem Mäuler.

Der folgende Anschlag wurde mit heftigen Fluchten ins offene Wasser quittiert. Letztendlich konnte ich einen mehrere Kilo schweren kapitalen Döbel keschern. Glücklich über den Fang des schönen Fisches fiel mir der Abschied der zwei Tage Stillwasserfischei, trotz der Hechtflaute, etwas leichter.

Mit diesem Loop möchten wir uns vom Lödenersee/Mittersee verabschieden und freuen uns darauf, wenn ihr uns in den letzten Tagen unserer Tour an die Deutsche Traun und den Förchensee begleitet.


Tight Lines
Alex & Max

Sonntag, 20. Mai 2012

Fliegenfischen auf Hecht in Oberbayern Part I



Letzte Woche Mittwoch war es wieder soweit, die spontan geplante Tour stand kurz vor ihrem Beginn.
Ziel war dieses Mal Oberbayern, genauer gesagt der Chimgau mit seinen wunderschönen Gewässern. Wir hatten uns vorgenommen am Mittwoch die ca. 3,5 stündige Anfahrt hinter uns zu bringen, Karten abzuholen und einen ersten Eindruck der von uns zu befischenden Gewässer zu erlangen. Do. und Fr. wollten wir den scheuen Berghechten nachstellen, Sa. war die Deutsche Traun gebucht und So. stand zum Abschluss die spannende Sichtfischerei im Förchensee auf dem Programm. Dies klang wohltuenden in unseren Ohren nach einem ausgereiftem Plan mit viel Fisch. Doch es sollte anders kommen!

Piep Piep Piep... der Wecker reißt uns aus dem kurzen Schlaf, die Augen brennen und der Schädel brummt. Hätte ich vor der kurzen Nacht doch kein Bier mehr trinken sollen, stelle ich mir die Frage und schließe für eine Sekunde noch einmal kurz die Augen. Neben mir ist Alex schon mit dem Packen seiner Sachen fertig, ich höre den Reißverschluss kreischen. Los geht's ruft er mir auf dem Weg nach draußen zu. Auf einmal bin ich hell wach, jetzt heißt es nur noch Fischen!


Der See scheint vom Nebel verschluckt und absolute Stille drückt auf die Ohren, kein Vogel der zwitschert, kein Luftzug der die Blätter der Bäume zum Rascheln bringt. Die Oberfläche ist glatt wie ein Spiegel und wird von nichts Irritiert. Geräuschlos zieht eine Schleie am Ufer ihre Bahnen und sucht nach Futter. Wir werten das als gutes Zeichen, Futterfisch in Ufernähe, da können die Hechte nicht weit sein!




Die Schnur durchschneidet die kalte Luft und landet sanft auf der Wasseroberfläche, trotzdem beginnen kleinste Wellen sich nach links und rechts auszubreiten. Strip, Strip, Pause... der Streamer bleibt für den Bruchteil einer Sekunde Stehen, dann wiederholt sich der Vorgang.
Kein Hecht folgt dem Streamer, das Wasser bleibt gespenstisch ruhig. Wir teilen uns auf, um leiser waten zu können und einen größeren Bereich effektiv abfischen zu können.


Ein lauter Ruf durchdringt den Nebel. HECHT! Ich nehme sofort die Schnur auf und Wate ans Ufer, lege die Rute weg und laufe Los. Alex #9er Rute biegt sich beachtlich und ich erwarte einen guten Fisch. Kleiner als gedacht, aber äußerst kräftig kämpft der junge Hecht und fliegt immer wieder ins Freiwasser. Schnelle ein Foto und schon kann er wieder schwimmen. Der Bann ist gebrochen, der erste Hecht gelandet jetzt kann es losgehen



So fischen wir die nächsten Stunden Wurf um Wurf das Ufer ab, doch weitere Hechte lassen sich nicht mehr Blicken. Langsam gewinnt die Sonne die Oberhand im Kampf gegen den Nebel und offenbart uns die Gesamte atemberaubende Landschaft.


Der Himmel ist tiefblau und der Buchenmischwald präsentiert sein junges, saftiges Grün in den morgendlichen Sonnenstrahlen. Letzte Schleier ziehen durch die Bäume und lassen Assoziationen an eine Welt vor unserer Zeit freien lauf.


Der Wetterbericht prophezeit für die kommenden zwei Tage Hechtfischen nichts gutes. Wie mich die Erfahrungen aus Schweden gelehrt haben ist Badewetter kein Wetter um Hechte zu fangen, und diese Erkenntnis sollte leider bestätigt werden. Die Vermutung liegt nahe, dass sich die Hechte ins tiefere Wasser zurückgezogen haben und so steht für den Nachmittag die Fischerei mit Sinkschnur und Belly Boat auf dem Programm.


Unterwegs begegnet Alex ein eng umschlungenes Froschpärchen auf dem See. Die beiden Wissen wohl nicht, dass sie sich den besten Tag für ihren Badeausflug ausgesucht haben. Bei den Wellen die sie veranstalteten währen sie wohl nicht so weit gekommen. Oder wissen die zwei genau bescheid und schmunzeln über uns?



Part II folgt...

LG Max